Kulturfonds Bayern
Bericht über das
Jugendfilmprojekt 2007

Vorbereitungen
Bereits Anfang des Jahres 2007 begannen die Vorbereitungen für das geplante Filmprojekt und in regelmäßigen Filmsitzungen wurde Themen besprochen wie
- regelmäßiger Bericht über den Stand des Projektes
- zentraler Zeitpunkt für Schulung – Teilnehmer/innen fit machen für das Medium Film
- wann muss das Projekt fertig sein?
- Verteilung der Aufgaben – sozialpädagogische Betreuung, Catering, Drehorte
Reinhold Schubert: „Die Arbeit mit den BvB-Jugendlichen hat sich als fruchtbar und erfolgreich erwiesen. Das Interesse ist momentan sehr groß und ich habe nach Durchsicht der Beiträge schon einige wirklich gute Ideen entdecken können.“ (Februar 2007)
Im Zuge der Projektvorbereitungen mit den Jugendlichen hatten sich die aufgrund der unterschiedlichen Homogenität der bei uns unterrichteten Teilnehmer der BvB entschlossen, aus vormals einem geplanten Gemeinschaftsprojekt zwei unabhängige Filmprojekte zu gestalten. Dies lag begründet in den unterschiedlichen psychischen und physischen Fähigkeiten, dem Grad des Lernverhaltens oder der körperlichen Behinderungen sowie der Gruppendynamik der beiden Klassen.
Projekt: Da Fülm üba da Befreiungshalle (2007)
Was passiert, wenn man die jugendlichen Teilnehmer einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme bittet, einen Film zu drehen? Zunächst gar nichts, weil sie sich nicht über das Thema einigen können. Doch der gemeinsame Entschluss konnte erarbeitet werden, mit der Kamera die Hintergründe des übermächtigen Wahrzeichens ihrer Stadt Kelheim, die Befreiungshalle zu ergründen. Dabei entstand ein unglaublich heiterer Film über die Geschichte eines bedeutungsvollen Ortes und die jugendliche Dynamik.
Die Gruppe BvB Rehabilitation hatte sich für dieses eher inspirative Projekt, eine Dokumentation über die Befreiungshalle in Kelheim entschieden. Im Rahmen der Vorarbeit und der Dreharbeiten stellte sich schnell heraus, dass die Aufgabe aufgrund ihrer einfacheren Rahmenbedingungen für die Teilnehmer eher zu bewältigen war als ein komplexes Drehbuch-basiertes Projekt. Das Filmprojekt, das die Schüler des Rehakurses abgedreht haben trägt den Titel „Da Fülm üba da Befreiungshalle“. Es kamen sehr amüsante Aufnahmen zustande, die ein bisschen den Flair einer „Erkan und Stefan“-Produktion besitzen. Auf Wunsch der Teilnehmer hat Herr Schubert den Schnitt übernommen. Der Film konnte in der zweiten August-Woche fertig gestellt werden und rechtzeitig zur Abschiedsveranstaltung vorgeführt werden.
Reinhold Schubert: „Es war nicht leicht, die jungen Leute zu diesem Film
zu führen. Herausgekommen ist jedoch alles andere als ein un-
motiviertes Werk. Die Kamera ist völlig frei und ohne Fixierung, die Bildauswahl folgt nicht immer den Normen und gerade deshalb ist dieser Film ein besonders sehenswertes Werk.“
Kommentare der Teilnehmer:
„Krass, war des cool!“
„Herr Schubert, Filme machen is scho a geiler Job!“
„Boa, was muss ma machen, damit ma für’n Film arbeiten kann?“
Projekt: Break Up (2007)
Eine Gruppe junger Leute mit ihren Wünschen, Sorgen und Süchten verliert den Anführer durch Verrat an die Polizei. Fortan herrscht Misstrauen untereinander, was schließlich zum Bruch der Gruppe führt und sie entzweit. Doch da gibt es jemanden! Einen, der bisher immer nur als „Fußabtreter“ herhalten musste und der großes Interesse an einer Spaltung hat und dies für sich zu nutzen weiß.
Dieser Film ist ein Beispiel dafür, wie intensiv die Teilnehmer ihre Dynamik und Motivation für ein gemeinsames Werk zu bündeln verstehen. Die jungen Leute funktionieren sowohl als Laiendarsteller wie auch als Regisseure und Kameraleute ganz hervorragend. Sie haben sich trotz ihrer Unterschiede zusammengerauft und den Film gemeinsam von Anfang bis Ende durchgezogen. Koste es was es wolle – sogar ihre kostbare Freizeit!
Die Arbeit der Gruppe BvB Übergangsqualifizierung gestaltete sich etwas umfangreicher. Dies liegt an der weitaus intensiveren Vorarbeit der Teilnehmer, die ein 21-seitiges Drehbuch verfasst haben, das Jugendthemen wie Zusammenhalt einer Gruppe, Ausländerfeindlichkeit, Drogenabhängigkeit, Mobbing und Verrat an der Gemeinschaft umfasst. Das Drehbuch war im Juli 2007 zu 100 Prozent verfilmt. Den jungen Leuten machte die Arbeit am Filmprojekt mit dem Titel „Break Up“ so viel Spaß, dass sie die Dreharbeiten sogar freiwillig gemeinsam an einem Samstag zu Ende bringen wollten. Auch bei diesem Projekt haben die Jugendlichen beschlossen, dass Herr Schubert den Film schneiden soll. Deadline für den Vorführtermin war Ende Juli – dieser Zeitplan konnte auch eingehalten werden. Die Rohfassung wurde bei der Feier zur Zertifikatsübergabe erstmals im kleinen Kreise vorgeführt.
Das gemeinsame Engagement, die Arbeit an einem interessanten Projekt und die Hoffnung auf Erfolg haben die jungen Leute zusammengeschweißt. Sie scheuten keine Sommerhitze und keine Diskussionen, beim Auftreten von Unstimmigkeiten lösten sie die Probleme selbstständig. Alle waren stets für alle da. Auf dem Set gab es keine Feindlichkeiten zwischen den Klassenkameraden mehr, sogar die Außenseiter wurden neuerdings vollständig in die Gemeinschaft integriert und entsprechend gelöst war auch die Stimmung. Alles in allem gelang es dem Medium Film, die positiven Eigenschaften der Kids zu aktivieren. Es ist einfach schön zu sehen, wie viel Power und Pflichtbewusstsein durch die Arbeit mit der Kamera bei den jungen Leuten geweckt werden können.
Reinhold Schubert:
„Ich lernte die Jugendlichen während der Dreharbeiten als sensible Menschen kennen und habe mich auf jeden Tag gefreut, an dem ich mit ihnen arbeiten konnte. Wir wuchsen alle zu einem gut funktionierenden Team zusammen, arbeiteten an einer gemeinsamen Sache und zwar so engagiert, dass am Ende der Aufnahmearbeiten jeder ein bisschen traurig war. Für eine Produktion haben sie sogar einen ihrer wertvollen Weggeh-Samstage geopfert, was vom Standpunkt des jungen Menschen ein wirklich großes Opfer war. Es gab nie ein schlechtes Wort gegen irgendjemanden, wir machten unsere Witze und haben uns einfach gefreut, dass wir durch den Kulturfonds und die VHS diese einmalige Chance bekommen haben.“
Danach erfolgten noch die Feinarbeiten (Ton/Schnitt etc.), um das Projekt im Herbst der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Einreichung zu den Jugendfilmfestspielen 2007
Im Herbst 2007 erfolgte die Einreichung beider Filme bei den 10. Niederbayerischen Jugendfilmfestspielen 2007 – dem JuFinale 2007. Die Jugendlichen, Mitarbeiter/innen der BvB sowie Herr Reinhold Schubert waren Anwesende des Jugendfilmfestes.
Besonders erfreulich war, insbesondere für die beteiligten Jugendlichen, dass der Film der BvB-Reha „Da Fülm üba da Befreiungshalle“ eine Auszeichnung erhielt, in Form einer lobenden Erwähnung.
Finanzierung der Projekte
Die Mittel zu den Projektarbeiten wurden außerordentlich sparsam und wirtschaftlich eingesetzt, so dass trotz der Teilung der beiden BvB-Gruppen der geplante Finanzrahmen unterschritten wurde.
Aufgrund des großen pädagogischen Erfolges des Filmprojektes 2006/2007 haben wir uns entschlossen, die Jugendfilme als Ausgleich für einen erfolgreich absolvierten Unterricht belohnend in den Jahren 2007/2008 und 2008/2009 fort zu führen. Abgedreht und in der Endproduktion sind derzeit ein weiterer Handlungsfilm basierend auf einem Drehbuch sowie zwei sensible Dokumentationen über Zirkuskinder und Schausteller auf dem Volksfestplatz Kelheim. Für das BvB-Jahr 2008/2009 stehen ebenfalls Filmprojekte an. Da ein JuFinale erst wieder im Jahr 2009 stattfindet, werden wir dann mit etwa drei bis fünf Projekten antreten und hoffen natürlich wieder auf einen kleinen Preis.
Wir bedanken uns vor allem im Namen der Jugendlichen und deren Familien für die Unterstützung und Förderung durch den Kulturfonds Bayern.
Weitere Informationen zum Filmprojekt finden Sie auch auf der Website von Reinhold Schubert:









